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Rechtsextremismus

Workshop "Rechtsextremismus im Netz"

Seit der Eröffnung des Prozesses gegen Beate Zschäpe wegen der Morde, die der Terrorzelle NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) zugerechnet werden, ist auch die Aufmerksamkeit gegenüber dem Rechtsextremismus insgesamt wieder gewachsen. Anlässlich eines Präventionstages Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage am BZN Gymnasium Reutlingen hat das Programm "101 Schulen" zwei Workshops zum Thema Rechtsextremismus im Netz durchgeführt. Paten des Aktionstages am BZN waren Baden-Württembergs Wirtschafts- und Finanzminister Dr. Nils Schmid und das Tübinger Sprint-Ass Marius Broening. Damit ergänzten sich an diesem Tag die politische Bildung und Aktivitäten im Rahmen der Initiative Kindermedienland Baden-Württemberg, die die Landesregierung ins Leben gerufen hat.

Rechte Stimmen im Social Web

Während rechtsextreme Organisationen bei Auftritten in der Öffentlichkeit schnell Gegenprotest auslösen, klicken gerade Jugendliche in sozialen Netzwerken häufig auf den "Gefällt mir"-Button oder teilen Videos ohne zu wissen, dass sie damit rechtsextreme Propaganda verbreiten. So werden soziale Netzwerke und Videoportale von Rechtsextremen gezielt genutzt, um sich untereinander zu vernetzen und um neue Unterstützer zu werben. 

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den beiden Workshops konnten noch nicht über unmittelbare Erfahrungen mit rechtsextremen Kontakten im Netz berichten. Sie wussten aber, dass rechte Gruppierungen einen großen Teil ihrer Aktivitäten ins Netz verlagert haben und vor allem in Sozialen Netzwerken posten und kommentieren. Das sagen schon die nackten Zahlen: Laut jugendschutz.net hat sich die Zahl entsprechender Beiträge allein im vergangenen Jahr um 50 Prozent erhöht. Dafür sank die Zahl der statischen Webseiten mit rechtsextremistischen Inhalten.

"Die Wortergreifungsstrategie ist der neue Trend in der rechten Szene", erklärte LMZ-Referent Aytekin Celik den Jugendlichen. Dafür bieten sich soziale Netzwerke geradezu an. Die Aktivisten der rechten Szene fluten die Netzwerke mit ihren Kommentaren zu allen möglichen Themen vor allem mit dem Ziel, ihre Standpunkte zu setzen und populistische Wirkungen zu erzielen: Fremdenfeindlichkeit, Revisionismus mit dem Ziel der Verharmlosung und Leugnung der Nazi-Verbrechen, Nationalismus, Antisemitismus, Sozialdarwinismus und Demokratiefeindlichkeit sind die Themen der Rechten, so Celik.

Wie sich die rechte Propaganda tarnt

Mit diesen Themen docken sich die Rechten an populäre und anhängerstarke Bewegungen wie Tierschutz- und Umweltschutzinitiativen an. Ein Schüler beschreibt das so: "Das ist ‚in‘, das macht einen guten Eindruck". Die Rechtsextremen stehlen sich so aus der dumpfen, "miefigen" rechten Schmuddelecke und machen sich salonfähig. Da wird aus dem Umweltschutz schnell der Heimatschutz. Das Thema Tierschutz wird zur antijüdischen und antiislamischen Propaganda missbraucht, weil in beiden Religionen bestimmte rituelle Schlachtungen vorgeschrieben sind.

Anhand der Neonaziparole "Todesstrafe für Kinderschänder" erläutert Celik wie die eigentliche Stoßrichtung der Aktivisten aussieht. Es gehe darum, Angst zu schüren und den Menschen zu suggerieren, dass der Staat nichts unternehme und die Kinder seiner Bürger nicht schütze. Nebenbei werde der Rechtsstaat diffamiert und abgelehnt.

Mittels der Internetseite Versteckspiel beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit den Zeichen und Codes der rechten Szene. Sie erarbeiteten sich die Bedeutungen für Zahlencodes wie 18 (Adolf Hitler), 88 (steht für den verbotenen Hitlergruß) oder setzten sich mit Modemarken wie Thor Steinar oder Consdaple auseinander, die einerseits für eine rechtsextreme Gesinnung stehen, andererseits aber auch als modisches Lockmittel fungieren, weil die Kleidungsstücke von manchen Jugendlichen durchaus als cool und "stylisch" empfunden werden. Das kam einem Workshopteilnehmer sogar bekannt vor. Jugendliche mit Consdaple-Klamotten, in dessen Label-Namen die Nazi-Partei-Abkürzung NSDAP versteckt ist, habe er schon öfters gesehen.

In diesem Zusammenhang machte Celik die Jugendlichen darauf aufmerksam, dass die Inanspruchnahme traditioneller germanischer Mythologien durch die Neonazis oftmals blanker Unsinn sei. Sehr viele Runensymbole, deren germanischer Ursprung von den Nazis behauptet wird, seien von ihnen selbst umgestaltet oder erfunden worden. Nebenbei empfahl Celik den Jugendlichen, sich mit der germanischen Mythologie zu befassen. Das könne Argumente liefern und helfen, rechtsextremistische Ideologien zu entlarven.

Rechtsextremismus im Netz erkennen und handeln

Gegen Ende des Workshops untersuchten die Jugendlichen einige Internetseiten und Facebook-Auftritte aus dem rechten Lager auf die dort offenbarten Inhalte und Hinweise. Dabei wurde die ganze Bandbreite der rechten Szene deutlich, die von rechtspopulistischen Parteien wie der Alternative für Deutschland (AfD) bis zur rechtsextremistischen NPD reicht. Allen ist gemein, dass sie ein relativ freundliches Erscheinungsbild abgeben. Was sich unter diesem Schafspelz verbirgt, wird oft nur auf den zweiten Blick deutlich.

Nach vier intensiven Schulstunden sind die teilnehmenden Jugendlichen hellhörig geworden. Sie haben erfahren, mit welchen Themen und Chiffren die rechte Szene im Netz operiert, die Nähe zur Jugendkultur sucht und wie sich Rechte durch Harmlosigkeit und Bürgerlichkeit tarnen. Die Schülerinnen und Schüler können nun besser erkennen, wie professionell Rechtsextreme im Netz auftreten und zur Verbreitung ihrer Ideologie alle Register ziehen: Das reicht von rechter Musik und Konzertveranstaltungen bis zur Tarnung als "Kümmerer" für die Anliegen und Nöte der Menschen. Darüber hinaus haben die Jugendlichen erkannt, welche Schubkraft Netzauftritte und soziale Netzwerke dem Rechtsextremismus geben können, wenn diese unkommentiert bleiben und man die Rechten ebenda gewähren lässt.

Neben den Workshops lernten die Schülerinnen und Schüler durch Tanz, Musik und Film andere Kulturen kennen. Aus Südafrika waren Kinder und Jugendliche der Partnerschule in Kwazulu-Natal, der Partnerregion Baden-Württembergs, zu Gast. Für die Partnerschule in Bouaké an der Elfenbeinküste fand am Aktionstag außerdem ein Spendenlauf statt.

Mehr Informationen zum Thema Rechtsextremismus finden Sie auf MediaCulture-Online.

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